Buddy-Stipendium: Für mehr Bildung und Teilhabe

Deutschland ist weit davon entfernt, Kindern und Jugendlichen gleiche Bildungschancen zu bieten. Der Schulerfolg junger Menschen bleibt abhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Ziel des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) der Bundesregierung ist es, diese Abhängigkeiten zu lösen. Gut gedacht! Doch: Viele Kinder profitieren nicht oder nicht rechtzeitig vom BuT.

Die Versetzung ist stark gefährdet.

Zeugnis, Februar 2026

Auf dem Halbjahreszeugnis der 16 Jahre alten Gaby aus dem Februar 2026 steht: „Die Leistungen in Deutsch und Französisch sind nur schwach ausreichend. Die Versetzung ist stark gefährdet.“ In Deutsch erreicht die Schülerin nur die Note 5, in Französisch noch knapp eine 4. Mit Unterstützung ihrer Klassenlehrerin hatte Gaby ein knappes halbes Jahr zuvor einen Antrag auf Lernförderung über das BuT gestellt, damit sie rechtzeitig Hilfe erhält – und die Versetzung schafft. In den Antrag setzte Gaby große Hoffnungen, denn: Professionelle Nachhilfe kann sich ihre alleinerziehende Mutter nicht leisten.

Das Erreichen der wesentlichen Lernziele ist nicht gefährdet.

BuT-Ablehnung, September 2025

Erwartungsfroh reichten Gaby und ihre Mutter den Antrag auf Lernförderung im September 2025 also ein: „Ich wünsche mir die Nachhilfe sehr, um meine Noten zu verbessern und meine Träume zu verwirklichen“, verrät Gaby damals ihrer Mutter. Doch: Nur zwei Tage später kommt die Ablehnung. Im Brief an die Mutter steht: „Aus den vorgelegten Unterlagen ergibt sich, dass Ihr Kind ausreichende Leistungen erbringt. Damit ist das Erreichen der wesentlichen Lernziele nicht gefährdet.“ Unverständnis und Enttäuschung bei Mutter und Tochter. Auf Gabys Zeugnis tummeln sich viele Vieren, in Deutsch ist sie doch nur knapp an der 5 vorbeigeschrammt.

3.500 Ablehnungsbescheide

Mit dieser Erfahrung sind die beiden nicht alleine. 3.500 Ablehnungsbescheide erfassten Chancenstiftung und der Nachhilfeanbieter Studienkreis im vergangenen Jahr deutschlandweit. Woran liegt es, dass Anträge auf Lernförderung wie der von Gaby abgewiesen werden? Im Gesetz ist verankert, dass eine über das BuT finanzierte Lernförderung u.a. das Erreichen „wesentlicher Lernziele“ garantieren soll.

In den zuständigen Behörden werden diese Ziele unserer Erfahrung nach sehr eng gefasst. Sie gelten in der Regel als erreicht, wenn Schüler*innen im Zeugnis ein ausreichendes Leistungsniveau (Note 4) erlangen und damit die Versetzung in die nächste Klassenstufe schaffen. Ob an der 4 schon ein dickes Minus prangt, das Kind im Unterricht bereits kaum mehr mitkommt, Angst vor dem nächsten Test hat und das mit der nächsten Versetzung gar nicht sicher ist – dafür lässt das BuT nur wenig Raum.

Dass Behörden bei der Bewilligung von Leistungen über das BuT mitunter strenger sind, als es das Gesetz vorsieht, berichtet auch die Bertelsmann Stiftung in ihrem Factsheet zum Bildungs- und Teilhabepaket aus dem Juli 2026: „So werden Kosten für Lernförderung mancherorts gedeckelt oder zusätzliche Bewilligungskriterien eingeführt, die im Gesetz gar nicht vorgesehen sind (z.B. darf eine gewisse Anzahl unentschuldigter Fehlstunden in der Schule nicht überschritten werden).“

Illustriertes "i" für Information.

Mehr über die Regeln und Vergabekriterien rund um das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „BuT vs. Bildungsstipendium – eine Bestandsaufnahme“. Darin erklären wir auch, warum die Chancenstiftung bewusst einen anderen Weg geht.

Reaktion statt Prävention

Gabys Lernmotivation bekam nach der Ablehnung ihres Antrags auf Lernförderung zunächst einen Knacks. Ohne zusätzliche Unterstützung schien ihr der Kampf um bessere Noten und die Versetzung aussichtslos. Aus der 4 in Deutsch wurde eine 5, auch in Französisch rutschte sie weiter ab: „In Französisch habe ich schon von Anfang an Schwierigkeiten und in den letzten Arbeiten hatte ich eine 5 geschrieben“, zeichnet sie die Entwicklung für uns nach.

Eine frühzeitige Unterstützung durch professionelle Nachhilfe, finanziert über das BuT, hätte Gaby in unseren Augen nicht nur schlechtere Noten ersparen können, sondern auch Frust und Druck, die Angst zu versagen und das Zweifeln an sich selbst. Der Fall zeigt auch: Das BuT ist nicht darauf ausgerichtet, negative Schulerfahrungen zu verhindern. Das System verwaltet sie vielmehr. Reaktion statt Prävention. Und es setzt mehr Vertrauen in das eigene Regelwerk als in die Einschätzung von Lehrkräften, Eltern und Schüler*innen selbst.

Ich möchte meinen Realschulabschluss schaffen.

Stipendiatin Gaby, Juni 2026

Pilotprojekt „Buddy-Stipendium“

Gemeinsam mit unserem Bildungspartner Studienkreis haben wir deshalb das Pilotprojekt „Buddy-Stipendium“ ins Leben gerufen, zunächst für 100 Kinder und Jugendliche in Hessen. Voraussetzung für die Aufnahme als Buddy-Stipendiat*in ist eine Ablehnung des Antrags auf Lernförderung über das BuT.

Neben der Nichtanerkennung von Zielen als „wesentlich“, werden Anträge mitunter auch abgelehnt, weil Schüler*innen schon einmal gefördert wurden oder das Schuljahr ohnehin bald beendet sei und sich eine Förderung nicht mehr lohne. Für die Aufnahme als Buddy-Stipendiat*in zählen die Motivation der jungen Menschen sowie ihre Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme am Nachhilfeunterricht. Die Förderung ist kostenfrei.

Als eine der ersten Stipendiat*innen konnten wir Gaby in unser neues Programm aufnehmen. Sie erhält nun zweimal wöchentlich professionelle Nachhilfe im Studienkreis. Sie hat sich Selbstvertrauen und Motivation zurückerobert – und formuliert neue Ziele: „Es ist wichtig für mich zu lernen. Ich möchte meinen Realschulabschluss schaffen und danach mein Fachabitur anfangen. Die Nachhilfe kann mir dabei helfen, in der 11. Klasse direkt gute Noten zu haben.“

Illustrierte Hände, die sich abklatschen.

Das Buddy-Stipendium von Chancenstiftung und Studienkreis soll mehr Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch schwachen Familien den Zugang zu qualifizierter Nachhilfe und die Teilhabe an guter Bildung ermöglichen. Mit 900 Euro können Sie einem jungen Menschen den Platz in unserem neuen Förderprogramm für ein ganzes Jahr sichern. Jetzt spenden – und „Chancen-Buddy“ werden!

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