Buddy-Stipendium: Für eine individuelle Lernreise

Die Bewilligung lernfördernder Maßnahmen über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) der Bundesregierung ist oft strikt an das aktuelle Notenbild von Schülerinnen und Schülern gekoppelt. Viele von ihnen profitieren deshalb nicht oder nur kurzfristig von dieser staatlichen Unterstützung. Die Chancenstiftung blickt ganzheitlicher und längerfristiger auf Kinder und Jugendliche und berücksichtigt nicht nur ihre Lebensrealitäten, sondern auch ihre individuelle Motivation zum Lernen.

Ich versuche auch Sachen alleine zu schaffen, aber ich brauche unbedingt Hilfe.

Esther, 12 Jahre alt

„Am meisten Probleme habe ich in Mathe und Latein. Latein ist für mich zu schwer, weil es für mich eine Umstellung ist. Mathe verstehe ich manchmal etwas“, erzählt die 12 Jahre alte Esther. In beiden Fächern erreichte sie zuletzt noch knapp die Zeugnisnote 4. Ihr Antrag auf Lernförderung über das BuT wurde abgelehnt, weil sie schon einmal gefördert wurde. „Ich versuche auch Sachen alleine zu schaffen, aber ich brauche unbedingt Hilfe“, zeigt sich die Fünftklässlerin ein wenig verzweifelt.

Ich habe mir in den letzten vier Jahren viel Mühe gegeben, jedoch brauche ich Förderung in Deutsch.

Alisa, 17 Jahre

Und Alisa, die aus der Ukraine nach Deutschland flüchten musste, berichtet uns: „Mein großer Traum ist es, Psychologie zu studieren. Ich muss mit sehr guten Noten abschließen, da für das Studium hohe Leistungen erforderlich sind. In der Ukraine habe ich die Schule mit Bestnoten abgeschlossen. Auch in Deutschland habe ich nie aufgehört, an meinen Zielen zu arbeiten. Ich bin 17 Jahre alt und habe mir in den letzten vier Jahren viel Mühe gegeben, jedoch brauche ich Förderung in Deutsch.“ Das bestätigt auch ihre Klassenlehrerin. Alisa habe sich sehr angestrengt und viel erreicht, in der zehnten Klasse des Gymnasiums aber seien die Anforderungen hoch. Und so steht in Alisas Zeugnis. „Die schriftlichen Leistungen im Fach Deutsch sind nur schwach ausreichend.“ Ihr Antrag auf Förderung – unterstützt von der Lehrerin – wurde abgelehnt.

Strenge Förderbedingungen

Warum werden die Anträge motivierter junger Menschen wie Esther und Alisa, die ihre Probleme erkennen und an ihnen arbeiten wollen, abgelehnt? Die Antwort darauf findet sich in einem eng gesteckten gesetzlichen Rahmen. So soll die über das BuT finanzierte Lernförderung nur garantieren, dass Schüler*innen die sogenannten wesentlichen Lernziele erreichen. Das heißt: Mindeststandards und ein ausreichendes Leistungsniveau (Note 4). Damit – so die Logik des BuT – sind Versetzung und Schulabschluss sichergestellt.

Illustriertes "i" für Information.

Mehr über die Regeln und Vergabekriterien rund um das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) erfahren Sie in unserem Blogbeitrag „BuT vs. Bildungsstipendium – eine Bestandsaufnahme“. Darin erklären wir auch, warum die Chancenstiftung bewusst einen anderen Weg geht.

Kein Anspruch auf gute Noten

Gymnasialempfehlung, guter Abiturschnitt, Wunschstudium – das Bildungs- und Teilhabepaket ist nicht darauf ausgerichtet, junge Menschen aus einkommensschwachen Familien beim Erreichen höherer Bildungsziele zu unterstützen. Denn einen Anspruch auf gute Noten oder Abschlüsse gibt es nicht.

Zu mehr Chancengerechtigkeit trägt das BuT in unseren Augen deshalb nur bedingt bei. Kinder und Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus bleiben gegenüber jungen Menschen aus finanziell gut aufgestellten Familien häufig im Nachteil – trotz Potenzial, Motivation und Fleiß.

Neuer Mut durch Buddy-Stipendium

Um Schülerinnen wie Esther und Alisa eine Perspektive zu geben – und sie in ihrer Enttäuschung und in ihrem Frust über den abgelehnten Antrag auf Lernförderung aufzufangen – haben wir gemeinsam mit unserem Bildungspartner Studienkreis das Buddy-Stipendium ins Leben gerufen.

Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm ist eine Ablehnung des Antrags auf Lernförderung durch das BuT. Unser Bewerbungsverfahren ist unkompliziert gestaltet, die jungen Menschen können in den meisten Fällen zeitnah aufgenommen werden. Und so freuen wir uns, dass Esther und Alisa nun ein ganzes Jahr lang mit uns lernen – und nicht nur an Lateinkenntnissen und guten Abschlussnoten arbeiten können, sondern auch an der Verwirklichung ihrer Ziele und Träume.

Illustrierte Hände, die sich abklatschen.

Das Buddy-Stipendium ist kein Ersatz für ein funktionierendes staatliches System – und das will es auch nicht sein. Aber: Wir empfinden es als wichtige Ergänzung, um echte Bildungsgerechtigkeit in Deutschland voranzutreiben.

Machen Sie mit – und werden Sie zum „Chancen-Buddy“ für junge Menschen aus weniger privilegierten Familien. Jetzt spenden!

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