Eine gute Beziehung von Schüler*innen und Lehrkräften trägt entscheidend zum Bildungserfolg junger Menschen bei. Unsere Stipendiat*innen betonen immer wieder, wie wertvoll es für sie ist, mit ihren Nachhilfelehrer*innen offen sprechen zu können und in ihren Problemen, Sorgen und Ängsten ernst genommen zu werden.
„In die Zeit des Stipendiums bin ich mit gemischten Gefühlen gestartet, die mir durch meine Lehrkräfte dort schnell genommen wurden. Sie haben mir die Sachen verständlich erklärt. Durch das schnelle Verstehen habe ich viel gelernt und es hat Spaß gemacht. Für mein weiteres Leben wünsche ich mir Lehrer*innen wie in der Nachhilfe“, berichtet unsere Stipendiatin Nana. Und Joseph meint: „Sie haben mir mit den Noten sehr geholfen und mich nicht im Stich gelassen. Ich kann mich dank Ihnen besser in der Schule konzentrieren.“
Auf individuelle Bedürfnisse eingehen
Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten lernen über einen Zeitraum von 12 Monaten in Kleingruppen von maximal 5 Schüler*innen. Diese Rahmenbedingungen tragen zu einer guten Beziehung von Lehrkraft und Schützling bei. So haben unsere Lehrer*innen ausreichend Zeit und Raum, um eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen aufzubauen, ihre individuellen Bedürfnisse zu erkennen und auf diese eingehen. Auch besondere Förderbedarfe werden für sie sichtbar, zum Beispiel die Schreibangst unseres Stipendiaten Maxi.
So gab Maxi zu Beginn seines Stipendiums bei uns an, seine Hausaufgaben nie schriftlich erledigen zu müssen. Seine Nachhilfelehrerin hakte immer wieder nach und fand heraus: Der 13-Jährige hatte Angst vorm Schreiben. Gemeinsam schafften sie es, Maxis Angst zu überwinden. Mit seinen schulischen Leistungen ging es danach steil bergauf.
Gutes Lernklima für Schüler*innen und Lehrkräfte
Klar ist: Das Verhältnis von Lehrkraft und Schüler*innen ist keines auf Augenhöhe. Lehrkräfte haben sowohl durch ihren Kompetenzvorsprung als auch durch ihre Befugnisse im System Schule eine besondere Position inne. Umgangssprachlich ausgedrückt: Sie sitzen am längeren Hebel. Umso wichtiger ist es, dass sie ihre Position nicht auszunutzen, sondern Beziehungsarbeit leisten.
Eine gute Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*innen ist für uns v.a. gekennzeichnet durch:
• positive Kommunikation, inklusive einer guten Feedback- und Fehlerkultur
• vertrauensvoller, respektvoller und wertschätzender Umgang
• Ansprechbarkeit, Geduld und Hilfestellung
• Empathie und Fairness
Die genannten Punkte fördern ein positives Lernklima für beide Seiten. Die Schüler*innen fühlen sich wohl und verstanden, sind motivierter und zeigen mehr Engagement im Unterricht. Die Lehrkraft ist weniger gestresst und geht mit mehr Zufriedenheit und Freude ans schulische Tagwerk. Fazit: Beziehungspflege in der Schule ist eine Schlüsselressource sowohl für Lernende als auch für Lehrende.
Erfolgreiche Beziehungsarbeit, erfolgreiche Schüler*innen
Dass unsere Lehrkräfte eine gute Beziehungsarbeit leisten, zeigt sich immer wieder im Feedback unserer Stipendiat*innen: „Die Lehrer und Lehrerinnen in der Nachhilfe waren jederzeit ansprechbar und sehr nett. Durch die Nachhilfe hatte ich im Unterricht ein sicheres und besseres Gefühl. Die Nachhilfe hat mir Spaß gemacht und ohne die Nachhilfe wäre ich bei den schlechten Noten steckengeblieben“, sagt beispielsweise Shakila. Und Raul erzählt: „Die Fähigkeit der Lehrer*innen hier, komplexe Themen verständlich zu vermitteln, hat mir sehr geholfen, meine Leistungen zu verbessern und neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Dank der Förderung konnte ich nicht nur meine Noten erheblich steigern, sondern auch eine echte Begeisterung für Mathematik entwickeln. Die Art des Unterrichtens hat den Lernprozess für mich bereichert und gezeigt, dass Mathematik durchaus spannend und interessant sein kann.“
Bei den Lehrerinnen und Lehrern, die sich gemeinsam mit der Chancenstiftung für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen, bedanken wir uns an dieser Stelle von ganzem Herzen – und wünschen Ihnen für das Schuljahr 2025/2026 viel Freude am Unterrichten, inspirierende Momente sowie eine konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit mit den jungen Menschen!
Wissenschaftlicher Hintergrund
Dass die Beziehungen, die Lehrkräfte und Schüler*innen zueinander aufbauen, eine entscheidende Bedeutung für den Bildungserfolg haben, zeigte erstmals der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie in seiner Studie „Visible Learning“ aus dem Jahr 2008. Auch in seiner Auswertung aus dem Jahr 2023, „Visible Learning: The Sequel“, zählt er die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden zu den stärkeren Einflussgrößen auf schulische Leistungen – deutlich wirksamer als Hausaufgaben oder offene Lernformen.
Weitere Studien bestätigen diesen Befund: So kommt die Untersuchung von Xiaohui Chen et al. aus dem Jahr 2024 zu dem Ergebnis, dass Jugendliche mit einer guten Beziehung zur Lehrkraft im Schnitt bessere Noten schreiben. Und die Arbeit von Giulia Di Lisio et al. aus dem Jahr 2025 sieht einen durchgängigen Zusammenhang zwischen einer positiven Beziehung und einem höherem Engagement sowie besseren Lernleistungen aufseiten der Schüler*innen. Belastete Beziehungen sind umgekehrt häufig mit Leistungsabfall oder gar Schulverweigerung verknüpft (vgl. „Neue Forschung zu Lehrer-Schüler-Beziehungen: Warum sie so wichtig sind wie nie zuvor“, campus Schulmanagement).