Bildungschancen hängen in Deutschland weiterhin entscheidend vom Elternhaus ab. Das ist das Ergebnis des Chancenmonitors 2026. Dies führt zu sozialen Spannungen und gefährdet den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Der Chancenmonitor zeigt, wie ungerecht der Zugang zu guter Bildung in unserem Land ist – und was wir dagegen tun können. Eine Handlungsempfehlung: kostenfreie Nachhilfe.
Der Chancenmonitor der Hilfsorganisation BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ und des Wirtschaftsforschungsinstitus ifo demonstriert eindrücklich, dass die Bildungschancen junger Menschen in Deutschland weiterhin stark vom familiären Hintergrund abhängen: Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei 16,9 %, wenn ein Kind mit Eltern ohne Abitur im untersten Einkommensviertel aufwächst. Im Gegensatz dazu liegt sie bei 80,3 %, wenn das Kind mit Eltern mit Abitur im obersten Einkommensviertel groß wird. Darüber hinaus liegt die Wahrscheinlichkeit des Gymnasialbesuchs bei Jungen (36,9 %) 6,6 Prozenpunkte niederiger als bei Mädchen (43,5 %). Dieser Gender-Gap findet sich in allen Gruppen des familiären Hintergrunds, ist aber in den obersten Bildungs- und Einkommensgruppen etwas geringer ausgeprägt.
Bessere Bildung für mehr Wohlstand
Menschen mit Abitur verdienen im Durchschnitt monatlich netto 42 % mehr als Menschen ohne Abitur (vgl. Dodin et al. 2024). Der Gymnasialbesuch, über den in Deutschland in der Regel bereits früh in der Schulkarriere entschieden wird, eröffnet also den Zugang zu Bildungswegen, die mit wohlstandsbringenden Berufsaussichten verbunden sind. Eine gute Bildung ist die Grundlage dafür, dass Menschen an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben und sich in die Gesellschaft einbringen können. Sie schafft die Möglichkeit für eine erfolgreiche Teilnahme am Arbeitsmarkt mit hohen Einkommen und geringer Arbeitslosigkeit – und ist auch die Grundlage für volkswirtschaftlichen Wohlstand insgesamt. Darüber hinaus zahlt sich bessere Bildung auch in verschiedenen nicht monetären Dimensionen wie Gesundheit und Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit, staatsbürgerlichem Verhalten und verringerter Kriminalität aus.
Mehr kostenfreie Nachhilfe
Die Ungleichheit der Bildungschancen ist nicht unumstößlich. Die ifo-Forschenden geben 6 Handlungsempfehlungen, die „gemäß klarer wissenschaftlicher Belege“ die Unterschiede für Kinder aus unterschiedlichen Verhältnissen ausgleichen können. Eine davon: mehr kostenfreie Nachhilfeprogramme. Wir freuen uns, dieser Empfehlung mit unserer Arbeit zu folgen – und jeden Tag für etwas mehr Gerechtigkeit eintreten zu können.
Die 6 Handlungsempfehlungen lauten:
- Frühkindliche Bildungsangebote für benachteiligte Kinder ausbauen
- Familien benachteiligter Kinder bei der Erziehung unterstützen
- Die besten Lehrkräfte an Schulen mit vielen benachteiligten Kindern bringen
- Nachhilfeprogramme für benachteiligte Kinder früh und kostenfrei anbieten
- Aufteilung auf unterschiedliche weiterführende Schulen verschieben
- Mentoring-Programme für benachteiligte Kinder fördern
Selbstvertrauen und Bildungserfolg
Für Jungen gilt: Sie müssen es als erstrebenswert ansehen, bessere Bildungsergebnisse anzustreben und sich dafür anzustrengen. Gleichzeitig muss ihr Selbstvertrauen in Bildungsfragen gestärkt werden.
Die Chancenstiftung konnte im Jahr 2025 fast 300 Jungen auf ihrem schulischen Weg und in ihrem persönlichem Wachstum unterstützen. 90% von ihnen erzielten nach 12 Monaten Förderung nicht nur bessere schulische Leistungen, sondern hatten auch mehr Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten. Weitere Informationen dazu gibt es in unserem Wirkungsbericht 2025 und in unserer Evaluation.
Zum Chancenmonitor
Der Chancenmonitor von ifo und „Ein Herz für Kinder“ wurde erstmals 2023 veröffentlicht und betrachtet den Bildungsabschluss der Eltern, das Haushaltseinkommen, den Migrationshintergrund und den Alleinerziehendenstatus als Einflussfaktoren für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Für den Chancenmonitor 2026 lag der Fokus zudem auf Unterschieden in den Chancen für Mädchen und Jungen. Für den Chancenmonitor werden die Daten des Mikrozensus (MZ) genutzt, die Stichprobe für den Chancenmonitor 2026 umfasst 67.851 Kinder und Jugendliche.