Die soziale Herkunft prägt Bildungsungleichheit von der Kita bis zur Uni – so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung. Wichtige Faktoren dabei: Armut sowie Bildungsniveau und beruflicher Status der Eltern.
In der Studie „Von der Kita bis zur Uni“ analysieren die Forschenden des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi), wie die soziale Herkunft von Menschen ihren Bildungsweg bestimmt. Auf Basis verschiedener Faktoren erheben sie Prognosen, wie wahrscheinlich es für Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten ist, bestimmte Bildungsetappen zu absolvieren – zum Beispiel eine Gymnasialempfehlung zu erhalten. Die Ergebnisse sind eindrücklich: Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus werden – trotz gleicher Kompetenzen – gegenüber Kindern aus Haushalten mit hohem Sozialstatus häufig benachteiligt. Und: Ungleichheiten auf dem Bildungsweg setzen sehr früh ein und bleiben lange stabil.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Die Autor*innen der Studie unterscheiden zwischen den Einflüssen von Armut, Bildungsniveau und beruflichem Status der Eltern und messen deren Einfluss auf Kompetenzniveaus, Bildungsentscheidungen und Leistungsbeurteilungen. So kann genauer als in bisherigen Studien untersucht werden, an welchen Stellen soziale Ungleichheiten entstehen, wo sie sich fortsetzen, verstärken oder verringern.
• Besonders deutlich werden soziale Ungleichheiten bei schulischen Bewertungen und Übergangsentscheidungen. Ein Teil dieser Unterschiede lässt sich durch unterschiedliche Kompetenzniveaus erklären. Allerdings bleiben auch bei gleichen Kompetenzen deutliche Herkunftseffekte bestehen.
• Privilegierte Kinder erhalten bei vergleichbaren Kompetenzen häufiger bessere Noten als Kinder aus Familien mit sozial niedrigem Status.
• Kinder von Eltern mit niedrigem beruflichem Status und niedrigem Bildungsniveau werden auch bei gleichen Kompetenzen und gleichen Noten seltener für das Gymnasium empfohlen als Kinder aus Familien mit hohen Niveaus.
• Am Ende der Schulzeit hat nur etwa ein Drittel der Jugendlichen aus niedrigen sozialen Schichten eine Studienberechtigung erzielt, gegenüber mehr als drei Viertel aus hohen sozialen Schichten – und dieser Unterschied ist nur teilweise auf Kompetenzunterschiede zurückzuführen.
• Jugendliche mit niedriger Bildungsherkunft und aus armen Familien haben – bei gleichen schulischen Kompetenzen – ein höheres Risiko, maximal einen Hauptschulabschluss zu erreichen. „Dies widerspricht“, so Prof. Dr. Marcel Helbig, Bildungssoziologe und Mitautor der Studie, „dem meritokratischen Leistungsprinzip, nach dem Bildungszertifikate auf tatsächlich erworbenen schulischen Kompetenzen basieren sollen.“
Ungleichbehandlung sorgt für Frustration
Auch wir erleben in unserer Arbeit immer wieder: Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch schwachen Familien werden ihrer Möglichkeiten oft schon früh im Leben beraubt. Diese Erfahrung musste auch unser Stipendiat Anas machen. Schwer getroffen von der Entscheidung seines Klassenlehrers, ihn auf die Hauptschule zu schicken, kam der 11-Jährige zu uns – und konnte aufgebaut werden: „Durch das Stipendium vertraut Anas wieder auf seine Fähigkeiten. Er stellt viele kluge Fragen und wächst an schwierigen Aufgaben. Es tut ihm sehr gut, gefordert zu werden“, berichtet die Nachhilfelehrerin der Chancenstiftung über Anas. Sie sucht das Gespräch mit seiner Schule und erwirkt, dass er auf die Realschule wechseln darf.
Für mehr Chancengerechtigkeit
Die Chancenstiftung setzt sich seit 2009 dafür ein, dass junge Menschen ihr Potenzial entfalten können – unabhängig von Einkommen und Bildungsbiografie der Eltern. Anas hat ein Stück Gerechtigkeit erfahren. Er ist nicht mehr frustriert, er ist motiviert. Er wendet sich nicht von der Schule ab, er formuliert neue Ziele. Er hat die Chance, sein Potenzial zu nutzen. Und uns eröffnet sich die Chance, dass dieser kluge Fragensteller zukünftig Antworten findet auf die drängenden Herausforderungen unserer Zeit.
Gemeinsam stark für gleiche Chancen
Mit einer Spende oder Bildungspatenschaft können Sie junge Menschen wie Anas auf ihrem Bildungsweg unterstützen – und unsere Gesellschaft in eine gerechtere und bessere Zukunft führen.