Unsere Stipendiat*innen werden in der Regel über einen Zeitraum von 12 Monaten in Kleingruppen von maximal 5 Teilnehmenden gefördert. Sie haben verlässliche Ansprechpartner*innen und lernen in einer positiven sowie geschützten Umgebung. Diese Rahmenbedingungen wirken sich positiv auf ihre fachliche und persönliche Entwicklung aus, wie die Evaluation unserer Arbeit der Jahre 2020 bis 2024 zeigt.
Individuelles Lernen
Unseren Lehrkräften ist es möglich, die persönlichen Bedürfnisse der Stipendiat*innen sowie die Besonderheiten in ihren Biografien zu erfassen und auf diese einzugehen. Das heißt: die jungen Menschen werden dort abgeholt, wo sie stehen. Bevor sie mit dem Lernen beginnen, wird ihre „Ausgangslage“ definiert. Lehrkräfte und Stipendiat*innen legen auf dieser Basis gemeinsam Lernschritte und –ziele fest.
Unterstützendes Umfeld
Unsere Stipendiat*innen erleben ein Netzwerk aus Unterstützer*innen, das sie verlässlich begleitet und bestärkt. Zudem profitieren sie von ihren Mitstreiter*innen in der Lerngruppe. Indem die Kinder und Jugendlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Wissen teilen, ermutigen sie sich gegenseitig. Die Verantwortlichkeit, die sie gegenüber den Gruppenmitgliedern entwickeln, fördert auch ihre Eigenverantwortung fürs Lernen.
Gute Beziehungsarbeit
Eine vertrauensvolle Beziehung von Schüler*innen und Lehrkräften trägt entscheidend zu einer positiven Entwicklung bei. Unsere Stipendiat*innen betonen, wie wertvoll es für sie ist, in ihren Problemen, Sorgen und Ängsten ernst genommen zu werden. Sie erleben eine positive Kommunikation, einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander sowie Fairness und Empathie.
Positive Lernumgebung
Der ruhige, geschützte und gut ausgestattete Lernraum, der den Stipendiat*innen im Rahmen des Nachhilfeunterrichts zur Verfügung steht, wirkt sich positiv auf das Lernen aus. Denn vielen von ihnen steht zu Hause kein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung, auch fehlt es an digitalen Endgeräten, Büchern und weiteren Materialien.
Zukünftiges Engagement
Junge Menschen, die Unterstützung erfahren, möchten diese weitergeben. Unsere Stipendiat*innen geben an, mit dem erlangten Wissen und den gewonnenen Kompetenzen, wiederum Geschwistern, Mitschüler*innen und Freund*innen zu helfen. Manche möchten sich in ihrem späteren Leben auch für Kinder und Jugendliche engagieren.
Aus den Erfahrungsberichten unserer Lehrkräfte
„Der Schüler hat äußerst zielstrebig gearbeitet und seine Ziele nicht aus den Augen verloren. Das starre Lernen in der Schule bereitete ihm große Schwierigkeiten. Die Unterstützung in der Nachhilfe hat ihm Selbstvertrauen gegeben und Erfolgserlebnisse beschert. Seine Entwicklung ist wirklich beeindruckend: vom introvertierten Fast-Schulverweigerer zum Fachabiturienten und motivierten Azubi in seinem Traumberuf.“
„Viele Misserfolge in der Schule hatten der Schülerin sehr zugesetzt. Während der Nachhilfe konnte sie durch konzentrierte Mitarbeit viele Lücken aufarbeiten und ihre Noten verbessern. Die Erfolgserlebnisse taten ihr sehr gut und ihr Selbstbewusstsein ist deutlich größer geworden.“
„Der Schüler hat eine Autismus-Spektrum-Störung. Mit Hilfe der Chancenstiftung hat er eine wirklich schwere Situation in seiner Lernbiografie bewältigt und den Schritt auf eine Regelschule geschafft. Er ist sich inzwischen sicher, dass er sogar das Abitur schaffen kann.“
Herausforderungen auf dem Bildungsweg
Persönliche Entwicklung und Bildungserfolg gehen Hand in Hand. Selbstvertrauen, Motivation und Konzentration sind entscheidend für eine gelungene Lernreise. Andersherum: Stipendiat*innen, die sich nur schlecht motivieren und konzentrieren können oder wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben, erreichen oft keine besseren Leistungen in der Schule. Wir haben in unserer Arbeit die Erfahrung gemacht, dass negative Lernerfahrungen und Frustrationserlebnisse sowie psychische Belastungen und Versagensängste in diesem Zusammenhang von großer Relevanz sind.
Auch die Umstände in der Schule und zu Hause können Hindernisse auf dem Weg zu besseren Leistungen darstellen. Dazu zählen:
• Häufiger Unterrichtsausfall
• Häufiger Wechsel von Lehrkräften
• Separierung statt Inklusion (v.a. bei Schüler*innen mit Migrationsgeschichte)
• Fehlende Bezugnahme auf die Bedürfnisse der Schüler*innen und ihre Biografie
• Ungeeignete Lernumgebung (zu Hause)
• Fehlende Materialien und Geräte (zu Hause)
• Mangelnde Unterstützung und fehlende Vorbilder
Aus den Erfahrungsberichten unserer Lehrkräfte
„Damit er einen besseren Schulabschluss erzielen kann, möchte der Schüler seine Note in Englisch verbessern. Dies erfolgt langsam und in kleinen Schritten, da Vokabular und Grammatik aus vergangenen Schuljahren mit viel Unterrichtsausfall mühevoll nachgearbeitet werden müssen.“
„Der Lehrerwechsel hat die Schülerin zunächst überfordert und sie war dem größeren Druck nicht gewachsen, was sich u.a. in Blackouts bei Prüfungen äußerte. Inzwischen konnte sie sich an die neue Situation gewöhnen, wieder an Selbstvertrauen gewinnen und erste Erfolgserlebnisse sammeln.“
„Die Corona-Pandemie hat sich für den Schüler sehr negativ ausgewirkt, da er zu Hause nicht ungestört lernen kann und auch keinen Laptop besitzt. So konnte er seine Zensuren nicht steigern. Wir haben ihn aber stabilisiert und dafür gesorgt, dass keine weiteren Lernlücken entstehen.“
Weitere Informationen zur Wirkung unserer Arbeit gibt es in unserer aktuellen Evaluation. Diese bildet die Fördermaßnahmen und Projekte der Chancenstiftung in den Jahren 2020 bis 2024 ab. In dieser Zeit unterstützen wir über 2.000 Kinder und Jugendliche auf ihrem Bildungsweg – und feiern gemeinsam mit ihnen wunderbare Erfolge: Maxi überwindet seine Schreibangst, Joline hüpft vor Glück über die ersten guten Noten. Gordana erreicht den Hauptschulabschluss und sichert sich einen Ausbildungsplatz. Ayub meistert das Abitur und beginnt als Erster in seiner Familie ein Studium.