Mentale Gesundheit in der Schule

Tipps

Wie kann man die mentale Gesundheit in der Schule stärken? In einer Welt, die von ständigem Wandel und Herausforderungen geprägt ist, rückt das Bewusstsein für psychische Gesundheit immer stärker in den Fokus. Gesundheit bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein ganzheitliches Wohlbefinden, das sowohl den Körper als auch den Geist umfasst.

Kinder und Jugendliche wachsen in einer Zeit der unterschiedlich bewältigten Corona-Pandemie, des Klimawandels und anhaltender Konflikte auf. Ganz besonders stehen sie vor einer Vielzahl schulischer Stressfaktoren, die ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Leistungsdruck etwa, Versetzungsangst und „Probleme im sozialen Miteinander“ erleben laut Präventionsradar der DAK zum Schuljahr 2022/2023 rund ein Viertel (26 Prozent) der befragten Schüler*innen als „eher stärker“, rund 14 Prozent sogar als „sehr stark“.  In Anbetracht der alarmierenden Zunahme psychischer Belastungen von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren stellt sich die Frage nach dem Umgang damit in Bildungseinrichtungen. Welche Rolle kann die Schulbildung bei der Förderung mentaler Gesundheit spielen?

Depressionssymptome und emotionale Probleme bei jungen Menschen häufiger als vor der Pandemie

Während der Pandemie wurden junge Menschen stark belastet. Laut einer europaweiten Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigten sie während der Schulschließungen um 75 Prozent häufiger Depressionssymptome als vor der Pandemie. Durch die Aufhebung der Schutzmaßnahmen haben sich psychische Belastungen und Symptome nicht normalisiert. Ganz im Gegenteil: sie haben sich vielfach verstetigt, chronische Verläufe kommen häufiger vor.

So berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weitere Organisationen, dass 20 bis 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen Symptome psychischer Erkrankungen zeigen. Ein kürzlich veröffentlichter Kinder- und Jugendreport der DAK Bayern verdeutlicht zudem, dass heute 39 Prozent mehr jugendliche Mädchen mit Angst- oder Essstörungen sowie Depressionen im Krankenhaus behandelt werden als vor der Pandemie. Diese alarmierende Entwicklung führt bei den Betroffenen oftmals zu Lernrückständen, verminderter Motivation und Konzentrationsstörungen. Daher benötigen Kinder und Jugendliche verstärkte Unterstützung sowie eine gezielte Anleitung im Unterricht.

Besondere Belastung bei sozioökonomisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen

Julian Schmitz, der die psychotherapeutische Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche an der Universität Leipzig leitet, untersucht in einer Studie, welche Gruppen junger Menschen besonders stark durch die Pandemie belastet sind. Laut der Studie sind dies Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligte Familien, die in prekären Wohnverhältnissen leben, nicht über die notwendigen Mittel verfügen, um zusätzliche Unterstützung zu erhalten, oder deren Eltern selbst mental belastet sind. Bereits während der Pandemie haben sie stark gelitten. Die Kluft in Bezug auf die psychische Gesundheit zwischen jungen Menschen, die von Armut betroffen sind, und solchen mit mehr Ressourcen, wird immer größer. So haben Schulkinder, die aus sozioökonomisch benachteiligten Familien kommen, häufiger mit emotionalen Problemen zu kämpfen, als Kinder aus Familien mit mehr Ressourcen.

Die Schule als wichtiger Ort für die Thematisierung psychischer Gesundheit

Die Schule ist ein zentraler Lebensraum für Kinder und Jugendliche und bietet eine wichtige Plattform für die Thematisierung psychischer Gesundheit. Sie ist ein Ort, der junge Menschen aus allen sozialen Schichten erreichen kann. Ein barrierefreier und niedrigschwelliger Zugang zu Unterstützungsangeboten, der unabhängig vom Elternhaus ist, sowie frühzeitige Aufklärung über psychische Erkrankungen könnten dazu beitragen, sowohl gesundheitliche als auch bildungsbezogene Chancengleichheit zu fördern. Denn: Eine gute psychische Verfassung ist essentiell für effektives Lernen und die individuelle Persönlichkeitsentwicklung.

Lehrkräfte und Mitarbeiter*innen in der schulischen Sozialarbeit spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie sind die erste Anlaufstelle für individuelle Probleme und Herausforderungen von Schüler*innen. Es ist daher von großer Bedeutung, die Schulgemeinschaft für derartige Situationen zu sensibilisieren und ihr Bewusstsein dafür zu schärfen. Das Schulsystem aber steht aufgrund begrenzter Ressourcen vor großen Herausforderungen und ist derzeit nicht in der Lage, diesem Bedarf angemessen gerecht zu werden.

Präventionsprogramm an deutschen Schulen: Mental Health Coaches

Als Reaktion auf die steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen, hat die Bundesjugendministerin, Lisa Paus, im Herbst letzten Jahres das bundesweite Modellprojekt „Mental Health Coaches“ unter dem Motto „Sagen was ist – tun was hilft“ gestartet.

Eingeführt wurde das Präventionsprogramm bisher an 100 Schulen im gesamten Bundesgebiet. Die Mental Health Coaches verfügen über ein abgeschlossenes Studium der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaften, Psychologie oder eines vergleichbaren Fachgebiets, sind mit ausführlichem Basiswissen zu mentaler Gesundheit ausgestattet (u.a. Sensibilisierung für psychosozialen Unterstützungsbedarf von Kindern und Jugendlichen bei Überlastungsreaktionen, Stress und Aggressivität) und kennen sich mit den Unterstützungssystemen an den Schulen aus. Ihre Aufgabe besteht darin, als direkte Ansprechpartner*innen die Schüler*innen zu unterstützen und bei Bedarf weitere Hilfsangebote zu vermitteln. Zusätzlich sollen sie an den Schulen Gruppenangebote initiieren, in denen offen über mentale Gesundheit gesprochen und die Resilienz der Schüler*innen gestärkt wird.

Bislang liegen noch keine Informationen über den Erfolg dieses Modellprojekts vor, wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums berichtet. Allerdings wird das Projekt von einem durch die Robert Bosch Stiftung geförderten Monitoring „Monitor Bildung und psychische Gesundheut (BiPsy-Monitor)“ begleitet, um die gewonnenen Erkenntnisse künftig für umfassendere Maßnahmen auf Bundes- oder Länderebene zu nutzen.

Große Herausforderungen für die Zukunft

Obwohl das Bundesprogramm der „Mental Health Coaches“ ein guter Ansatz ist, so ist der Umfang bisher wohl nicht ausreichend. Die Pandemie mag vorüber sein, jedoch stehen Kinder und Jugendliche weiterhin vor einer Vielzahl von Krisen, die sie beeinflussen: der Klimawandel, zunehmende Armut in vielen Familien oder der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. All diese Sorgen kommen zu den bereits vorhandenen Belastungen aus der Pandemie hinzu. Zusätzlich verschärft sich nun an den Schulen auch noch der Mangel an Lehrkräften. Dabei bräuchte es vor allem mehr personelle Ressourcen, um der erhöhten Belastungslage von Schüler*innen besser entgegenzusteuern.

Mentale Gesundheit lehren und lernen

Kann mentale Gesundheit auch direkt durch Bildung verbessert werden? Bzw.: Inwiefern kann Bildung zu einer Stärkung der mentalen Gesundheit beitragen? Das gemeinnützige Unternehmen „tomoni mental health“ vermittelt Wissen zur Früherkennung psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter speziell für an Schulen tätige Personen. Die Fortbildungen zu AD(H)S, Autismus, Depression, Angststörungen oder selbstverletzendem Verhalten werden aktuell kostenfrei angeboten und durch das Universitätsklinikum Würzburg wissenschaftlich evaluiert.

Direkt an Schüler*innen und Eltern richtet sich „Kopfsachen”. Der Verein vermittelt die Grundlagen mentaler Gesundheitskompetenz und veranstaltet z.B. Workshops darüber, wie man diese aktiv fördert. Das seit 2020 existierende Start-Up ist mittlerweile an den Standorten Berlin, Köln und Hamburg vertreten. Neben dem Kursformat „Mentale Gesundheit und Selbstfürsorge” gibt es auch „Konflikte mit Köpfchen lösen” oder „Selbstbewusst nach eigenen Werten handeln”.

Die Chancenstiftung: Mit kleinen Schritten nachhaltige Veränderung schaffen

Auch die Chancenstiftung beschäftigt das Thema „Mentale Gesundheit an Schulen”. Ihr Stipendienprogramm setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung von Schüler*innen durch das Lernen in Kleingruppen ein. Die intensive Betreuung ermöglicht es, Bedarfe und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen besser zu erkennen und gezielt zu unterstützen.

Joline, 8 Jahre alt und ehemalige Stipendiatin der Chancenstiftung, berichtet zum Ende ihrer Förderung: „Bei der Nachhilfe habe ich Spaß beim Lernen und es fällt mir leichter. Die ersten guten Noten haben mich so glücklich gemacht. Es ist ein gutes Gefühl, dass es auch andere mit den Problemen gibt und wir uns in der Gruppe helfen.“ Joline verdeutlicht, wie wichtig es ist, bei Schüler*innen das Bewusstsein zu schaffen, dass sie nicht alleine sind.

Loslegen mit einem Stipendium der Chancenstiftung

Es gibt viele Gründe, warum es in der Schule mal nicht so klappt. Je größer die Probleme sind, desto wichtiger ist es, Unterstützung zu erhalten. Die beste Möglichkeit: professionelle Nachhilfe! Und genau die bieten wir mit unserem Bildungsstipendium an. Wie man sich in nur fünf Schritten bewerben kann, erklären wir hier.

Loslegen mit einem Stipendium der Chancenstiftung

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