Coronabedingte Bildungsrückstände aufholen

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Auch der Sommer 2021 wird von der Corona-Pandemie begleitet. Die Inzidenzen waren gesunken, was weitgehende Lockerungen zur Folge hatte. Nun sprechen die Ersten von einer vierten Welle. Das hätte nicht zuletzt auch weitreichende Konsequenzen für die Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Durch die zwei vorherigen Corona-Schuljahre ist die Bildungsschere bereits größer geworden. Das macht sich vor allem bei Kindern bemerkbar, die aus benachteiligten Familien stammen. Nun bleibt abzuwarten, was das neue Schuljahr bringt. 

Bildung und Corona: Ein neues Corona Schuljahr beginnt

Obwohl die Bundesländer für den Beginn des neuen Schuljahres einen weitgehenden Normalbetrieb mit geringfügigen Einschränkungen planen, gibt es noch keine Zusagen für eine dauerhafte Öffnung. Nochmalige Schulschließungen sind also kein Ding der Unmöglichkeit. Gleichzeitig sind erschwerte Corona-Umstände immer mit vielen Fragen an die Bildung verbunden. Dabei zeigen Umfragen wie die der Vodafone Stiftung, dass die Hälfte der Lehrkräfte befürchten, dass soziale Ungleichheiten bei Schülern und Schülerinnen durch Schulschließungen und Distanzunterricht verstärkt würden. 

In welchem Maße Kinder und Jugendliche durch die Restriktionen im Bildungssektor betroffen sind und welche Auswirkungen diese für die zukünftige Lern- und Kompetenzbildung der Schüler und Schülerinnen haben, ist noch nicht mit Sicherheit vorherzusagen. Eine Umfrage des Deutschen Schulbarometers Spezial zeigt, dass ein Großteil der befragten Lehrkräfte davon ausgeht, dass Lern- und Bildungsrückstände in der Schule nicht aufgeholt werden können. Belastbare Daten oder systematische Untersuchungen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Bildung sind bisher nur unzureichend vorhanden. Allerdings bestätigen sich erste Annahmen, dass Kinder aus benachteiligten Familien in besonderem Maße von der Corona-Pandemie betroffen sind.

Krise besonders herausfordernd für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien

Während Corona hatten wir neue Themen im Unterricht, die mussten wir zu Hause machen. In der Schule wäre das besser gewesen. Ich habe nicht alles verstanden. – Reyyan, 6. Klasse

Die Schließung von Schulen und das damit verbundene Homeschooling haben im letzten Jahr eine Digitalisierungswelle angestoßen. Das Homeschooling hat offenbart, wie stark sich sozioökonomische Benachteiligung, Raumknappheit und finanzielle Armut auf die Ressourcenausstattung für digitales Lernen ausgewirkt haben. Gleichzeitig hat die Corona-Krise große Unterschiede in der Lernunterstützung durch die Eltern verdeutlicht. Mit solchen Herausforderungen haben auch die Stipendiat*innen der Chancenstiftung zu kämpfen. Valentina aus der 4. Klasse berichtet: „Ich habe im Home-Schooling nicht alles so richtig verstanden. An einem Tag kam das Thema dran, am nächsten ein anderes. Es war sehr kompliziert, alle haben reingerufen, man konnte nicht richtig Fragen stellen.“ Auch Reyyan aus der 6. Klasse verdeutlicht: „Während Corona hatten wir neue Themen im Unterricht, die mussten wir zu Hause machen. In der Schule wäre das besser gewesen. Ich habe nicht alles verstanden.“

Neben Benachteiligungen aufgrund fehlender Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb der Familie, bestehen in Deutschland zudem qualitative Unterschiede in der Ausstattung von Schulen abhängig von der Schulform. Das verdeutlicht auch eine Umfrage der Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen, die zu dem Ergebnis kommt, dass nur 30 Prozent der Haupt- und Realschüler*innen Zugang zu digitalen Endgeräten haben. 

Schon vor der Corona-Pandemie bestehende Missstände werden nun wie durch ein Brennglas verschärft. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani bringt es auf den Punkt bei der Frage, wer in besonderem Maße benachteiligt sei: „Alle, die schon vorher benachteiligt waren“. Zudem hat die OECD durch Studien belegt, dass Schüler und Schülerinnen aus benachteiligten Familien häufig niedrigere Erwartungen und weniger Zutrauen von Seiten der Lehrer*innen erfahren. Das wiederum hat Auswirkungen auf deren Leistungsentwicklung und Motivation. Nicht zuletzt wirkt sich die Corona-Pandemie nicht nur auf die kognitive Entwicklung, sondern auch die psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus. Besonders dann, wenn Schüler und Schülerinnen keinen Halt durch Eltern oder Lehrkräfte erfahren. 

Unser Projekt „Chance+3“ befördert Chancengleichheit in der Bildung

Ich bin in den letzten Monaten manchmal nicht richtig mitgekommen im Unterricht und habe nicht alles verstanden. Mein Ziel ist es, bessere Noten zu bekommen. – Josan, 6. Klasse

Unser Projekt „Chance+3“, das mit Beginn des neuen Schuljahres startet, ermöglicht den Stipendiat*innen der Chancenstiftung, professionelle Nachhilfe für 15 statt für 12 Monate in Anspruch zu nehmen. Dabei profitieren bundesweit vor allem Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien. Unsere Partner – dazu gehören bspw. Schülerhilfe, Studienkreis oder Lernstudio Barbarossa – bieten zweimal die Woche professionellen Nachhilfeunterricht an. Die Stipendiat*innen der Chancenstiftung haben Spaß am Lernen und der Bildung. Sie empfinden den Nachhilfeunterricht als sehr hilfreich.

So berichtet Josan aus der 6. Klasse: „Ich gehe aufs Gymnasium und würde gern Technik-Ingenieur werden. Das ist sehr interessant, weil man Dinge erfinden kann. Ich bin in den letzten Monaten manchmal nicht richtig mitgekommen im Unterricht und habe nicht alles verstanden. Mein Ziel ist es, bessere Noten zu bekommen.“ Auch Valentina, die sich mit dem Homeschooling schwergetan hat, sagt: „Ich finde es sehr toll, dass ich ein Stipendium bekommen habe. Lernen hier macht Spaß. Wenn ich hier bin, verstehe ich es besser als zu Hause.“ Und Reyyan, die lieber in der Schule gelernt hätte, fügt hinzu: „Die Nachhilfe bringt aber was und macht Spaß.“

Durch die dreimonatige Verlängerung der gewöhnlichen Stipendienzeit können die Schüler und Schülerinnen nicht nur den bestehenden Nachhilfebedarf, sondern Lern- und Bildungsrückstände im Allgemeinen aufholen. Neben der fachlich-inhaltlichen Förderung der Kinder und Jugendlichen steht ihre mentale und emotionale Unterstützung im Fokus. Damit trägt das Projekt der Chancenstiftung „Chance+3“ langfristig nicht nur zu mehr Bildungsgerechtigkeit für Kinder und Jugendliche bei, sondern agiert auch als sozialer Anker in einer herausfordernden Zeit.

Unser Projekt „Chance+3“

Mit Unterstützung von BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ und der Deutschen Postcode Lotterie konnten wir das Projekt „Chance+3“ ins Leben rufen. Damit haben 300 Stipendiat*innen der Chancenstiftung die Möglichkeit, drei Monate länger Nachhilfe in Anspruch zu nehmen – 15 statt 12 Monate. Die Kinder und Jugendlichen haben so mehr Zeit, coronabedingte Lernrückstände aufzuholen.

Unser Projekt „Chance+3“

Mit Unterstützung von BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ und der Deutschen Postcode Lotterie konnten wir das Projekt „Chance+3“ ins Leben rufen. Damit haben 300 Stipendiat*innen der Chancenstiftung die Möglichkeit, drei Monate länger Nachhilfe in Anspruch zu nehmen – 15 statt 12 Monate. Die Kinder und Jugendlichen haben so mehr Zeit, coronabedingte Lernrückstände aufzuholen.

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